Kunststoffrecycling: Prothesen

Ein erschwingliches Bein für ein neues Leben

Zwei Schweizer Industriedesigner haben mit Kunststoffabfall eine nachhaltige Idee kreiert: Sie stellen aus recyceltem Kunststoff Prothesen her. Ihre Vision basiert auf der Kreislaufwirtschaft und ist für die Arbeit in einem Materialkreislauf konzipiert. Sie nutzen das Kunststoffrecycling und die gewonnenen Ressourcen für die Prothesen, um gleichzeitig einen sozialen Bedarf zu decken und ein dringendes Umweltproblem zu lösen.

Ein erschwingliches Bein für ein neues Leben

Project Circleg begann als Studienprojekt von Fabian Engel und Simon Oschwald. „Wir wollten unsere Fähigkeiten als Designer nutzen, um etwas Positives zu bewirken“, so Fabian Engel. Aufgrund von Verkehrsunfällen, mangelnder medizinischer Versorgung oder gewalttätigen Konflikten ist in weniger entwickelten Ländern die Nachfrage nach kostengünstigen Beinprothesen sehr hoch. In der Entwicklungsphase sprachen sie mit betroffenen Menschen in Kenia und Indien und schauten sich bestehende Prothesen an. So erfassten sie die Bedürfnisse und konnten anschliessend zusammen mit erfahrenen Orthopäden die Entwicklung starten. Project Circleg ist designorientiert und wird nach den Bedürfnissen und Gegebenheiten der Nutzer entwickelt. Auch die Anforderungen der einfachen Produktionsmethoden werden berücksichtigt, um lokal und kostengünstig produzieren zu können. Kunststoffrecycling unterstützt diesen Prozess nachhaltig.

Eine weitere Dimension von Kunststoffrecycling

Bis es soweit ist, dass vor Ort und teilweise aus lokalem Kunststoffabfall produziert werden kann, wird es noch eine Weile dauern. Aber das Projekt ist skalierbar und könnte überall dort Wirkung zeigen, wo bezahlbare Prothesen benötigt werden. Die Nachfrage danach ist in vielen Entwicklungsländern hoch, jedoch fehlt es den meisten bestehenden Prothesensystemen an Funktionalität, Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit.

Kunststoffrecycling bringt Mehrwert

Jährlich landen 72 % der weltweit produzierten Kunststoffverpackungen auf Deponien oder in der Natur. Viele Deponien liegen in Entwicklungsländern, da sie keine Kapazitäten, Ressourcen und Gesetze für den Aufbau eines offiziellen Recyclingsystems haben. Durch die Verwendung von lokal verfügbaren recycelten Kunststoffabfällen wird einem dringenden Umweltproblem, der Kunststoffverschmutzung, Rechnung getragen. Ausserdem werden durch das Kunststoffrecycling die Materialkosten um bis zu 50 % reduziert. Somit wird ein Mehrwert für die Wirtschaft geschaffen, indem Abfälle in eine handelbare Ressource umgewandelt werden. „Das Projekt erfüllt auf einer sozialen, ökonomischen und ökologischen Ebene alle Anforderungen“, so Fabian Engel.

Mit der Diplomarbeit „Project Circleg“ haben die beiden Designer den letztjährigen nationalen James Dyson Award gewonnen und erhalten nun die Chance auf den internationalen Award.

(Bilder: Project Circleg)
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